Fachtag „Was können Teilqualifikationen leisten?“ (April 2026)

Was können Teilqualifikationen leisten?

Ein Rückblick auf die Veranstaltung des Verbundes arbeitsmarktpolitischer Dienstleister in Bremen e.V. (VaDiB) in Kooperation mit der Landesagentur für berufliche Weiterbildung und Transformation (LABEW+) am 23. April 2026 im KWADRAT.


Frauke Felix (Vorstandsvorsitzende des VaDiB) und Dr. Thorbjörn Ferber (LABEW+), begleiteten durch die Veranstaltung und moderierten die Podiumsdiskussion.

In Deutschland haben 56 % der erwerbslosen Menschen keinen formalen Berufsabschluss. In Bremen sind es laut Arbeitnehmerkammer Bremen sogar 67 %. Vor diesem Hintergrund fand der Fachtag mit der Fragestellung statt: Was kann der Erwerb von Teilqualifikationen dazu beitragen, Beschäftigungsmöglichkeiten zu verbessern?

Mehr als 70 Engagierte aus Politik, Verwaltung, Trägerlandschaft und Stadtteilen sind unserer Einladung gefolgt.



Im ersten Vortrag verdeutlichte Dr. Martin Noack (Bertelsmann Stiftung), wie wichtig Teilqualifikationen für die Gruppe der Geringqualifizierten und somit auch für die Stabilisierung der Beschäftigungsquote sein kann.

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Im zweiten Vortrag stellte Reiner Engel (Geschäftsführer der TERTIA-Gruppe) sehr anschaulich die Initiative MY∙TQ vor.  Neben der Frage, wie Kompetenz im Berufsleben nacheinander aufgebaut werden kann, hat er auch auf die Grenzen der Umsetzbarkeit aus Sicht der Bildungsträger angesprochen – Thema Finanzierung.

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Im dritten Vortrag veranschaulichte Olaf Mittelmann (Geschäftsführender Vorstand SVG Bremen) die Chancen, aber auch die Probleme der Teilqualifikationen aus Sicht der Branche Güterverkehr und Personenbeförderung.

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Im vierten Vortrag ordnete Peer Rosenthal (Arbeitnehmerkammer Bremen) den aktuellen Stand für das Land Bremen ein, und er stellte dar, welche Chancen und Risiken mit Teilqualifikationen für Arbeitnehmer:innen verbunden sind. Teilqualifikationen sind nur dann sinnvoll, wenn klare Rahmenbedingungen und eine Abschlussorientierung gesichert sind.

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Positionspapier der Arbeitnehmerkammer Bremen und der Arbeitskammer des Saarlandes



Nach einer kurzen Pause wurde auf dem Podium und mit dem Publikum diskutiert.

Podiumsdiskussion (von links): Björn Reichenbach, Teamleiter im Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung bei der Handelskammer Bremen − IHK für Bremen und Bremerhaven, Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven, Jörg Schäfer, Koordinator Weiterbildung für Arbeitssuchende bei der Handwerk gGmbH, Dr. Martin Noack, Senior Expert Betriebliche Bildung und Weiterbildung bei der Bertelsmann Stiftung, Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen.

In der Podiumsdiskussion ordneten sich die unterschiedlichen Positionen der Redner zu einer guten Gesamtperspektive. Grundsätzlich sei die Finanzierung nicht das Problem, sondern dass viele Arbeitskräfte in einer Helfertätigkeit verharren. Es gebe aber auch vorgeschaltete Probleme, wie z. B. der Spracherwerb. Aktuell spiele Teilqualifikation im Handwerk keine Rolle, es gebe aber Beratung und Aufklärung zu dem Thema. Wünschenswert sei mehr Engagement und Förderung bei diesem Thema mit dem Ziel, dass es zu mehr Vollqualifizierung (Berufsabschlüssen) kommt. Am besten sei es, wenn sich in Bremen ein tragfähiges Modell für Teilqualifizierungen in einer Sparte entwickelt, dass dann als Vorlage in weiteren Bereichen angewendet werden kann.


Fazit

  • Es muss eine attraktive Finanzierung vorhanden sein, damit betreffende Personen sich qualifizieren können und Bildungsträger die Qualifikationsmaßnahmen gut umsetzen können.
  • Bremen sollte eine Strategie entwickeln und anfangen, das Modell in einem Wirtschaftsbereich zu etablieren (z. B. Logistik).
  • Die Förderpolitik sollte geändert werden (Beispiel Köln): Qualifizierung über zwei Bildungsgutscheine gleichzeitig (Bildungsmaßnahme + Begleitcoaching), damit es nicht nach dem ersten Teilqualifikationsmodul bereits zum Abbruch kommt.
  • Teilqualifikationen sollten auf Bundesebene standardisiert werden.
  • Teilqualifikationen sollten keine punktuelle Qualifizierung für kurzfristige Bedarfe sein.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Referierenden, Podiumsgästen und Teilnehmenden für den offenen Austausch und die wertvollen Impulse bedanken. Wir werden als VaDiB das Thema weiterverfolgen und bieten bei Fragen der Weiterentwicklung und Umsetzbarkeit gerne das Gespräch an.